Der namenlos bleibende Protagonist von Mike Wilsons Roman Leñador (Holzfäller) ist ein gescheiterter Soldat und Boxkämpfer, der vor seiner städtischen Existenz in den kanadischen Yukon flüchtet. Die Versessenheit, mit der er sich seiner neuen Tätigkeit als Holzfäller hingibt, spiegelt sich in der minutiösen, oft lexikonartigen Schilderung des Holzfällerhandwerks und des Lebens im kanadischen Wald. Diese Beschreibungen machen den grossen Teil des rund fünfhundertseitigen Buches aus. Dazwischen entspinnt sich eine minimale Handlung in kleinsten Abschnitten, was bei der Lektüre gleichermassen für Faszination und Irritation sorgt. Abends liest der Protagonist in einem alten landwirtschaftlichen Almanach und fragt sich, wodurch dieses Buch zu Kunst werden kann. Die gleiche Frage darf man auch an den Leñador stellen, der als einer der wichtigsten lateinamerikanischen Romane der Gegenwart gilt und bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.
Die deutsche Übersetzung von Mário Gomes erscheint zur Frankfurter Buchmesse und feiert kurz darauf in Zug Premiere.
Apéro im Anschluss an die Veranstaltung