Eveline Passet

Das elfte Zuger Übersetzer-Stipendium in der Höhe von SFr. 50'000 ging an Eveline Passet (Berlin) für die Übersetzung der Tagebücher von Michail Prischwin. Die geplanten vier Bände erscheinen im Guggolz Verlag (Berlin).
Laudatio von Sebastian Guggolz

Eveline Passet, geboren 1958 in Groß-Gerau, studierte Slawistik und Romanistik; sie arbeitet seit 1985 als literarischer Übersetzerin und als Rundfunkautorin. Besonders intensiv beschäftigte sie sich mit Ilja Ehrenburg. 2012 veröffentlichte sie zusammen mit Gabriele Leupold (Zuger Übersetzer- Stipendium 1997) den Band «Im Bergwerk der Sprache». Von Michail Prischwin erschien bei Guggolz 2015 «Der irdische Kelch».

Michail M. Prischwin (geboren 1873 in Chruschtschowo, gestorben 1954 in Moskau) veröffentlichte zu Lebzeiten Erzählungen wie «Der versunkene Weg» und «Die Kette des Kstschej»; er beschäftigte sich auch intensiv mit der Fotografie. Seine umfangreichen Tagebücher konnten in Russland erst nach 1991 veröffentlicht werden; die Ausgabe ist noch nicht abgeschlossen.

Die Tagebücher umfassen den Zeitraum von 1905 bis 1954, drei russische Revolutionen, zwei Weltkriege, den Grossen Terror, das erste Jahr nach Stalins Tod. Das diaristische Schreiben entsprang Prischwins Willen, den eigenen weltwahrnehmenden Blick, das eigene Fühlen und Denken, die eigenen Wertvorstellungen, die eigene Sprache freizuhalten von den Korruptionen, denen viele unterlagen aus Angst. Das Original umfasst mehr als 13'000 kleingedruckte Seiten.


«Im Bergwerk der Sprache - Eine Geschichte des Deutschen in Episoden», von Gabriele Leupold (Hg.) und Eveline Passet (Hg.) erschienen 2012 im Wallstein Verlag Göttingen