Rosemarie Tietze – Preisträgerin 2005

Originaltext übersetzt

«Uns hat seit den unbefangensten Kinderzeiten stets beschäftigt, wo sich der Autor versteckt hielt, als er die Szene belauerte, die er beschreibt. Wo hat er sich so unauffällig plaziert? In der für uns beschriebenen Szenerie gibt es stets einen dusteren Winkel mit abgestoßener Truhe oder einem Schrank, der ausrangiert und in die Diele hinausgestellt wurde, und dort steht er nun, so unauffällig und unnütz wie der Autor, der quasi alles mit eigenen Augen gesehen hat, bloß vor uns geheimhält, wo diese seine Augen sich befanden … Dort steht er, den Rock hoch geschlossen, konturenlos und unsichtbar wie ein japanischer Ninja, ohne zu schnaufen oder sich die Füße zu vertreten, um ja nichts zu verpassen von dem Geschehen in dem fremden Leben, das sich nicht vor ihm verbirgt, aus Vertrauensseligkeit oder Schamlosigkeit oder aus Gewohnheit und Verachtung für ihn.»


Buchinfos

Bitows «Puschkinhaus» gilt als epochales Werk der russischen Literatur im ausgehenden 20. Jahrhundert – nach Meinung der Kritik bereits als «Werk des 21. Jahrhunderts». Der Roman erzählt Familiengeschichte und Werdegang eines jungen Leningraders in der Tauwetterzeit und den sorglosen sechziger Jahren. (Rosemarie Tietze)

Andrej Bitow
Das Puschkinhaus

Suhrkamp Verlag, Berlin, 2007
Übersetzung aus dem Russischen.