Übersetzer sitzen dabei am Lenkrad.»
Zuger Übersetzer-Gespräche
Von der Freude, Literatur zu übersetzen
«Wäre ich der letzte Übersetzer, müsste man mich als glücklichen Übersetzer vorstellen», so anspielungsreich brachte der Anerkennungspreisträger Christophe Fricker am Schluss der Veranstaltung am Freitag (s)eine Grundbefindlichkeit als Übersetzer – KI zum Trotz – auf den Begriff. Mit welcher Leidenschaft Übersetzerinnen und Übersetzer auch in Zeiten von ChatGPT und Co. ihr kunstvolles Handwerk an literarischen Werken erproben und weiterentwickeln, das wurde dem Publikum an den zweitägigen Übersetzer-Gesprächen erneut eindrücklich vorgeführt. Gäste der Moderatoren Georg Gerber und Röbi Koller waren der Übersetzer und Lyriker Christophe Fricker und die Zuger Autorin und Mundart-Übersetzerin Judith Stadlin.
Eine ausführliche Berichterstattung über die Zuger Übersetzer-Gespräche vom 6. und 7. März finden Sie hier.
Audio-Aufnahme des Gesprächs mit Christophe Fricker
Audio-Aufnahme des Gesprächs mit Judith Stadlin
Von der Entschleunigung der Zeit im Medium der Poesie
Wer am 23. Oktober trotz des stürmischen Herbstwetters den Weg an Lesung und Gespräch mit dem US-amerikanischen Autor Mike Wilson und dem Übersetzer Mário Gomes im Park Tower in Zug fand, wurde belohnt. Im Zentrum stand Wilsons formal eigenwilliger Roman Holzfäller, der in Mário Gomes’ deutscher Übersetzung eben erst erschienen ist. Georg Gerber umkreiste im fesselnden Austausch mit Autor und Übersetzer das Hauptmotiv des Romans – die Entschleunigung der Zeit. Es zeigte sich: Der Roman selbst bewältigt die Flucht seines Protagonisten vor der Sprache und die Suche nach einem unmittelbaren, handelnden Zugang zu den Dingen in den kanadischen Wäldern literarisch, indem er durch Beschreibungen geradezu enzyklopädischen Ausmasses den Text radikal entschleunigt. Und gibt uns Lesenden – paradoxerweise mit den Mitteln der (literarischen) Sprache – eine Ahnung für ein anderes Verhältnis zu Welt und Natur. In Wilsons und Gomes’ spanisch-deutscher Lesung wiederum wurde dann der in sich ruhende Sound dieser literarisch entschleunigten Selbst- und Weltfindung auf grossartige Weise hörbar. (PM.)
Mehr dazu in der Zuger Zeitung vom 25.10.25.
Die Verleihung des diesjährigen Zuger Übersetzer-Stipendiums an Karl-Ludwig Wetzig (linkes Bild, Mitte) und des Anerkennungspreises an Christophe Fricker (rechtes Bild, rechts) wurde zu einem höchst anregenden, stimmungsvollen Fest der literarischen Übersetzung. Mit grosser Freude überreichte die neue Präsidentin Sonja Hägeli zum ersten Mal das Zuger Übersetzer-Stipendium in der Höhe von 50'000 Franken und den Anerkennungspreis in der Höhe von 15'000 Franken im Festsaal des Theater Casino in Zug an die Preisträger.
In seiner ebenso vielschichtigen wie witzigen Laudatio auf Karl-Ludwig Wetzig feierte der Literaturwissenschafter Heinrich Detering die «unaufdringlich musikalische Sprachkunst» Wetzigs, des «massgebenden Übersetzers aus dem modernen Isländisch». Jurypräsident Georg Gerber verwies seinerseits beeindruckt auf den Erfindungsreichtum und die Eleganz, mit der Christophe Fricker die alltagsnahe, mühelos verständliche, ungezwungene Sprache von Vikram Seths Versroman The Golden Gate ins Deutsche übersetzt habe.
Zum ausführlichen Beitrag. Zuger Zeitung vom 9.9.25.